Geschichte und Entstehung

Da wir nicht wisssen, was in den letzten hundert Jahresn alles gezüchtet undgekreuzt worden ist, erscheint es ziemlich hoffnungslos, die stammesgeschichtlichen Beziehungen zwischen den Rassen nachzuvollziehen. Doch das Bedürfnis des Menschen, diese verwirrende Vielfalt zu ordnen und damit auch zu begreifen, bleibt bestehen. Wie also der Mannigfaltigkeit des Hundes eine Fasson geben?

Zitat: Dr. Erik Zimen "Der Hund"

Die Entstehung der Rasse des Australian Shepherd ist eng mit der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika verbunden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann dann eine durch Not und Elend bedingte Auswanderungswelle in Europa, die als Ziel das gelobte Land Amerika hatte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten mehr als 8 Millionen Menschen aus, eine beträchtliche Zahl, wenn man bedenkt, das eine Großstadt zu damaliger Zeit um die 100.000 Einwohner hatte.

Viele dieser Menschen, die auf der Suche nach einer neuen Heimat, besseren Lebensbedingungen und neuem Glück waren, brachten Tiere mit in dieses Land Amerika, Schafe, Ziegen, Pferde und natürlich auch Hunde. So brachten die Engländer Bobtails, Schotten die Collies, Basken ihre Berger des Pyrénées und die Deutschen ihre Schäferhunde mit.

Beachten muß man bei dieser Betrachtung, das die Nennung dieser Rassen nicht dem jetzigen jeweiligen Rassestandard entspricht, sondern dem damaligen Stand. Wir möchten also weniger von Rassen, als von Eigenschaften oder Schlägen sprechen, welche diese Hunde mitbrachten. Wer mag, sei an dieser Stelle auf weiterführende Literatur verwiesen, die Betrachtungen der heutigen Rassen retrospektiv ausgezeichnet ermöglichen.

1869 erließ der amerikanische Kongreß ein sog. Heimstättengesetz, nachdem jeder Siedler, der über 21 war, das Recht hatte, sich von bundeseigenem Land 160 Acres (ca. 63 Ha.) abzustecken und zu bewirtschaften. Tat er dies andauernd über fünf Jahre hinweg, konnte er das Land für einen Preis von 1,25$ je Acre erwerben. Dieses Gesetz leitete eine neue Landbesiedelungspolitik ein und der "Way out West" begann. Auf dem abgesteckten, zunächst überlassenen, später erworbenen Land entstanden Farmen, Viehzuchten aller Art. Hier kamen die mitgebrachten Hütehunde verschiedener Herkunft wieder zum Einsatz.

Nachdem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges, nach dem im Süden unzählige Herden nutzlos waren, im Norden die Menschen zuwenig Fleisch hatten, entstand der sog. Cattle Trade, ein Viehtrieb ungeahnten Ausmaßes. Manch einem Westernfreund mag der Name Chisholm Trail ein Begriff sein, ein Begriff für eine Route, auf der Millionen von Rindern aus Texas zu den Verladebahnhöfen im Norden getrieben wurden, benannt nach dem ersten Rancher, der dieses Unterfangen wagte.

Die Aussiedler, die sich nicht als Farmer oder in der Viehzucht bewährten, verdienten ihren Lebensunterhalt mit anderen Aufgaben rund um die Viehwirtschaft. Eine davon war schlicht die als Viehhirte. Heute besser bekannt unter dem Namen Cowboy. Hatte ein solcher Cowboy nun nicht nur selbst Geschick im Umgang mit Vieh, sondern einen Hund, der ihm bei der Arbeit helfen konnte, zahlte sich dies in einem Mehrverdienst aus.

Im Jahre 1874 erhielt der amerikanische Farmer Joseph F. Glidden ein Patent für die Herstellung von Stacheldraht und in den nachfolgenden Jahren, mit der Einführung von Einzäunungen, veränderte sich das Leben der Farmer im Westen grundsätzlich und die Cowboys wurden in Massen entlassen. Die Ära des Cowboys endete mit der weitgehenden Besiedelung des Landes und der Einzäunung der besiedelten Flächen.gegen Ende des
19. Jahrhunderts.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden zur Veredelung einheimischer Schafzuchten Schafe aus Australien importiert. Die Veredelung war notwendig, um die Schafzucht auch auf unwirtlicheren Ländereien nutzbringend ausführen zu können.

Als die Schafe kamen, wurden sie von ihren Hirten und Hunden begleitet und die amerikanischen Züchter staunten, mit welcher Ausdauer, Intelligenz und Zähigkeit die mitgebrachten "Aussies" die Herde hüten konnten. Dies waren genau die Hunde, die man auch hier bestens brauchen konnte, zumal es sich herausstellte, das einige von Ihnen hervorragend für die Arbeit mit Rindern zu gebrauchen waren. Vermutlich waren es die Vorfahren der Australian Cattle Dogs und Kelpies, die damals für dieses Aufsehen sorgten.

Wenn man sich die Begeisterung der Farmer vorstellt, die damals zum ersten Mal diese Hunde sahen, kann man nachfühlen, das jeder gern einen haben wollte oder seine eigenen Hunde mit diesen "Aussies" veredeln wollte. Es wurde wild hin und her gekreuzt, Welpen und Decksprünge gehandelt und auf den Märkten ging es nicht nur darum, wer das beste Vieh hat, sondern auch, wer die besten Hunde hat. Bei dieser wilden Zucht wurde nicht auf Schönheit geachtet, einzig zählte die Tauglichkeit als Hüte- und Arbeitshund.

Erinnern wir uns, dass in der Hauptsache zunächst die Bobtails, Collies, Berger des Pyrénées und Schäferhunde miteinander verpaart wurden, später noch die Australian Cattle Dogs und die Kelpies. Es mag sein, das sich in diesem Durcheinander schon regional manche Einheitlichkeiten herausstellten aber grundsätzlich muß es sich um eine kunterbunte Schar gehandelt haben.

Wer nun den Löwenanteil getragen hat, mag niemand mit Sicherheit sagen. Auch hier sei auf weiterführende Literatur verwiesen, die hervoragend die Möglichkeiten analysiert und Rassemerkmale der Aussies bis auf die dokumentierten Eigenschaften der damals von den Aussiedlern mitgebrachten Hunde zurückführen.

Einige von diesen Vertretern, auf alten Fotos dokumentiert, haben jedoch bereits Ähnlichkeit mit den heutigen Aussies, wie die nebenstehenden Fotos belegt.


Im Laufe der Zeit wurden die Hunde den Vorfahren auf dem 5. Kontinent Australien immer ähnlicher und in der Mitte des 20. Jahrhunderts geschah der Durchbruch mit einem Variete-Künstler namens Jay Sisler.

Er zog mit einer Hundedressurnummer kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten und Kanada, war Gast bei Rodeos, Quarter Mile Races, trat in Filmen auf und zog mit seinen Darstellungen die Menschen in den Bann.

Nicht selten war ein Viehzüchter unter den Zuschauern, der die Fähigkeiten dieser Hunde erkannte und einen der Hunde kaufen wollte. Schließlich entschloss Sisler sich, einige Würfe zu züchten und zu verkaufen, seine beiden Rüden Keena und Tuscons Joe stellte er auf seinen Reisen vielen Schafzüchtern gegen Entgelt zum Decken der eigenen Hündinnen zur Verfügung.

Dies war der Grundstein für die gezielte Reinzucht von Australian Shepherds und die Gründung von Vereinen und Clubs, die sich dieser Zucht widmeten, ließ nicht lange auf sich warten. In 1972 öffnete der Australian Shepherd Club of America seine Zuchtbücher.